Rakede – Es geht mir gut (sehr, sehr gut. Sehr gut!) – Kritik

Jetzt sitze ich hier schon 10 Minuten, aber ein passender Titel für die Kritik zum ersten Rakede Album – Es geht mir gut (sehr, sehr gut. Sehr gut!) fehlt immer noch. Um direkten Bezug zum Album herzustellen, könnte man eine witzige Textstelle oder einen tiefgründigen Vers nutzen. Möglich ist auch ein neckisches Zitat für ’nen provozierenden Clickbait. Hmm, ich komme mir leicht unbeholfen vor. Aber es geht mir gut. Sehr, sehr gut! Denn ohne dass Du es gemerkt hast, wurde dieses Album ziemlich adäquat beschrieben.

 

Von den Delfinen zu den Haien!

Den Einstieg macht der fette Opener „Dicker Bass / Dünnes Kabel„. Ein Mix aus souligem Gesang, Scratches und Dubstep macht Bock auf mehr! Der Song ist ein Statement zum eigenen Album. Euch erwarten fette Beats, Melodie und Soul mit gut gewählten Texten – und ein krasser Rock-Track. Dass diese Junx begabt sind, beweisen sie mit dem nächsten Song in einer sehr, sehr schwierigen Disziplin – dem Covern. Viele Künstler scheitern oftmals daran, dem Original gerecht zu werden. Die Rakede Version von „Mach die Augen zu(Die Ärzte, 1993) glänzt in abgerundetem Reggae Gewand mit durchdachter Tonlage. Lass den Song der Ärzte Kult sein, dieses liebevolle Interpretation klingt gefühlvoller als das Original. Mit gelungen mitschwingender Gefühlsleere in der Stimme.

 

Viel Gefühl aber beweisen die Junx von Rakede in vielen Ihrer 12 Track starken Platte (plus vier interludes). Sowohl in Text als auch Melodie. „Nimmst Du mich mit„, „Papa“ und „Schwarz“ sind solche Tracks. Sie klingen voll und kommen von Herzen. Nicht nur in diesen Songs kann man die Erfahrungen des lyrischen Ichs nachempfinden. Rakede gelingt es, den Zuhörer mitfühlen zu lassen. Die Texte sind tief, klug aufgebaut und poetisch. Der Style wird dabei jedoch nie vernachlässigt.

Live: The crowd goes wild!

Rakede schafft es, die ernsten Botschaften unterhaltsam und modern zu vermitteln. Es gibt viele tanzbare Passagen mit vollen elektro Beats, aber auch Reggae- und Funk-Elementen. „Bruce Lee“ und „Mein schönster Tag in deinem Leben“ glänzen mit fetten Beats. Live geht bei diesen „Bombast“-Tracks die Post ab. Garantiert! Die Tracks schlagen dabei einen vergleichsweise unterhaltsamen Ton an. Sie protzen mit Metaphern und Witz.

Mein Fahrrad muss ’nem Maserati weichen
Geht nicht anders. Ständig flattert mir der Penis in die Speichen

 

Rakede und Rammstein

Das Album zu beschreiben fällt mir nicht leicht. Mehrere Tracks verdienen auf zu verschiedene Weise viel Aufmerksamkeit und könnten eigene Absätze vertragen, was durchaus sehr positiv ist. Die LP ist abwechslungsreich in Stil und Thematik. Viele Texte haben einen ernsten Unterton, manche sprechen aus der Seele.

Eine Seele hat Narben. Das spürt man bei genauerem Hinhören. Ein Track jedoch weicht vom Inhalt der anderen Liedern stark ab… Er veranlasst mich, Rakede und Rammstein im selben Satz zu nennen. „Keine Liebe“ ist einer der gruseligsten Tracks, die ich seit langem gehört habe. So schlimm, wie es jetzt erscheinen mag, ist das Thema nicht, aber mir selbst ist erst nach mehrmaligem Anhören aufgefallen, worum es geht. Das Thema würde man eher der bekannteren beider Bands zutrauen. Ich möchte nicht spoilern!

 

Fazit – Wenn wir mal sterben soll’n, dann taub!

Es geht mir gut (sehr, sehr gut. Sehr gut!) ist ein unterhaltsames modernes Werk von gebabten jungen Musikern. Die Texte sind durchdacht und wirken authentisch. Die Gefühlslage wird gekonnt in Stimme und Melodie übertragen, hat aber noch Potenzial. Rakede spielt mit Metaphern und Wortwitz, bringt den Zuhörer zum Lachen, und auf der Tanzfläche bleibt bei vielen Liedern niemand mehr still stehen. Zwischendurch klingen die Rap-passagen etwas holprig und unbeholfen, aber das will uns im Gesamtwerk nicht stören.

Ich möchte es mal so interpretieren: Der letzte Feinschliff kostet am meisten Zeit und Mühe. Irgendwann muss auch mal gut sein. Denn am Ende kommt es auf die Botschaft an. Die überaus tanzbaren Passagen lassen den ernsten Unterton des Rakede Albums in den Hintergrund treten. Und genau das macht „Es geht mir gut (sehr, sehr gut. Sehr gut!)“ zu einem passenden Titel für ihr erstes Album. Wenn die Junx so weiter machen, wird ihr Name Rakede noch ziemlich groß in den deutschsprachigen Ländern.

Wenn ich so dreist sein darf, würde ich kleiner Mann gerne zu einem starken ersten Album gratulieren. Krasse Leistung!

 

„Boogiemann“: Wie oft muss man dafür bitte üben? Kriegst Du das Live hin? 😀
„Schwarz“ Als einzige Rocknummer und in Anbetracht des Titels klug platziert. Geiler Song!


Tracklist:

01 – Dicker Bass / dunnes Kabel
02 – Mach die Augen zu
03 – Nimmst du mich mit
04 – Tijuana, Japan
05 – Bruce Lee
06 – Mein schonster Tag in deinem Leben
07 – Affe und die Bohnenranke
08 – Keine Liebe
09 – Olympia Beach
10 – Es geht mir gut
11 – Flug Null Acht Eins Funf
12 – Pest im Paradies
13 – Hurensohnlein Brilliant
14 – Boogiemann
15 – Papa
16 – Schwarz

Spielzeit: 44 Minuten

Links: www.rakede.com , Amazon (kein Affiliate Link), Wikipedia,
Grafik: www.rocketandwink.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.